Auch, aber nicht nur, Maigret...

Am Ende unglücklich

Eine schwere Herzerkrankung des geliebten Vaters nimmt Simenon zum Anlass die Schule zu verlassen, ein erster großer Schritt zur frühen Selbstständigkeit, zur Befreiung aus der Enge der Heimatstadt, die er ein Jahr nach dem Tod des Vaters, 1922 verläßt, um nach Paris zu gehen. Dort schreibt er Groschenromane und Kurzgeschichten für zahlreiche Zeitschriften.

1923 heiratet er zum ersten Mal, seine Jugendfreundin, die Malerin Régine Renchon, die er Tigy nennt, und die angeblich jahrzehntelang nichts von seinen zahllosen Affären bemerkt.

Zwar wächst der Erfolg schon während der folgenden Jahre kontinuierlich, der große Durchbruch aber beginnt 1929: Auf einer ausgedehnten einjährigen Bootsreise entsteht in Delfzijl in den Niederlanden der erste Maigret-Roman: Maigret und Pietr der Lette. In kurzen Abständen folgen weitere Maigrets, wenig später auch die ersten Non-Maigret-Romane unter seinem Namen. Sowohl wegen des für den zeitgenössischen Kriminalroman ungewöhnlichen Aufbaus und Stiles, wegen der Persönlichkeit der Hauptfigur, als auch aufgrund genialer Vermarktungsstrategien, werden die Bücher zu einem grandiosen Erfolg. Aufsehenerregende Veranstaltungen begleiten die Veröffentlichungen, und Simenon ist der erste Schriftsteller, der auf die Idee kommt, das Cover der Bücher mittels Fotografien interessanter zu gestalten.

In den Dreißiger Jahren unternimmt Simenon ausgedehnte Reisen um die ganze Welt. Diese finden ihren Niederschlag sowohl in seinen Romanen, den exotischen Novellen, als auch in seinen journalistischen Arbeiten, Reportagen und Interviews,  unter anderen mit Trotzki.

Das Jahr 1939 bringt zwei bedeutende Ereignisse: Den Beginn des zweiten Weltkrieges, und kurz zuvor die Geburt des ersten Sohnes Marc.

Als die Deutschen in Belgien einmarschieren kommt es zu einer großen Flüchtlingswelle in Richtung Frankreich. Die französische Regierung weist die Gegend um La Rochelle als Auffangregion für belgische Flüchtlinge aus. Simenon, der zu dieser Zeit in Nieul nahe La Rochelle wohnt, wird zum Flüchtlingskommissar ernannt, und muss die Versorgung zehntausender Menschen organisieren, eine Aufgabe, die er mit Bravour löst. Da der Krieg in Frankreich und Belgien schnell beendet ist, endet auch die Tätigkeit des Flüchtlingskommissars Simenon, nachdem die Rückführung der Flüchtlinge in ihre Heimat abgeschlossen ist. Den Rest des Krieges verbringt Simenon zurückgezogen auf dem Lande.

Weder verschiedentliche Vorwürfe einer Kollaboration mit den Nazis, noch seine eigene Behauptung einer Unterstützung der Résistance, können hinreichend belegt werden.

Nach Kriegsende siedelt Simenon nach Amerika über. Bald lernt er die Franco-Kanadierin Denyse Ouimet kennen, die seine Sekretärin und Geliebte wird. Obwohl er sich von Anfang an über die schwierige Persönlichkeit von Denise, wie er sie nennt, im Klaren ist, und ein katastrophaler Verlauf der Beziehung sich früh abzeichnet, heiratet er sie 1950, nachdem im Jahr zuvor das erste gemeinsame Kind, John, zur Welt gekommen ist. Die Scheidung von Tigy wird teuer für ihn. Als einzigen Erfolg beim Scheidungsprozeß erreicht er die Verpflichtung seiner ersten Frau, zusammen mit Marc immer maximal 6 Meilen von Simenons jeweiligem Wohnort entfernt leben zu müssen, und da Simenon weiterhin häufig umzieht, muss Tigy immer wieder hinter herziehen.

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